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Vertragsschienen und die neue GEMA Werkanmeldung

Was sind Vertragsschienen? Welche Bedeutung kommt diesem Konzept für die GEMA Werkanmeldung zu? Was ändert sich für mich als Verleger? Dieser ALV Blog-Beitrag beantwortet Deine Fragen.

von Patrick Thomas, ALV

Im Geschäftsjahr 2021/2022 findet seitens der GEMA eine grundlegende Überarbeitung des GEMA IWA-XML-Werkanmeldeservices und der zugrundeliegenden Logik statt. Dies betrifft insbesondere, wie Verlagsanteile dargestellt und registriert werden. Stichwort: „Vertragsschienen”.

 

Vertragsschienen gehen immer von Urhebern aus und beschreiben, welche Verlagsanteile einen bestimmten Urheberanteil vertreten.

Konsequenterweise finden Vertragsschienen nur auf von Verlagen vertretene Urheber anwendung, von unverlegten Urhebern gehen keine Vertragsschienen aus. 

 

Hintergrund dieser Neuerungen ist die von der GEMA einzuführende Ableitungslogik sowie die zukünftige Synchronisierung der GEMA Werk-Datenbank mit dem Joint Venture ICE. Damit ist gemeint, dass sich Verlagsanteile zukünftig nur noch und direkt von den von einem Verlag vertretenen Urheberanteilen ableiten. 


Beispiel 1: Zwei verlegte Komponisten und ein verlegter Textdichter, insgesamt drei Vertragsschienen.
Beispiel 1: Zwei verlegte Komponisten und ein verlegter Textdichter, insgesamt drei Vertragsschienen.
Beispiel 2: Ein verlegter Komponist, der von zwei Verlagen vertreten wird, die anderen zwei Komponisten sind unverlegt.
Beispiel 2: Ein verlegter Komponist, der von zwei Verlagen vertreten wird, die anderen zwei Komponisten sind unverlegt.

Die Summe der Rollenanteile (ROLE%) aller Verlage einer Vertragsschiene muss 100 % ergeben. Ebenso muss die Summe der Rollenanteile der Urheberrollen Komponist (K), Textdichter (T), Bearbeiter (B) und Spezialtextdichter (TS) wie gehabt, jeweils im Aufführungs- und im Mechanischen Recht, 100 % ergeben. 

Beispiel 3: Drei Komponisten, einer mit ungleichem Co-Publishing zwischen zwei Verlagen und ein Split-Publishing mit Verlag 3, jeweils mit Rollenanteilen.
Beispiel 3: Drei Komponisten, einer mit ungleichem Co-Publishing zwischen zwei Verlagen und ein Split-Publishing mit Verlag 3, jeweils mit Rollenanteilen.

Für den Fall, dass ein Verlag an mehreren Vertragsschienen beteiligt ist, muss er pro Schiene jeweils einmal dargestellt werden, d.h. mehrfach. Wenn der Verlag bspw. in drei Vertragsschienen vorkommt, dann taucht er dreimal in der IWA-XML als Beteiligter auf.

Beispiel 4: Ein Verlag, der an mehreren Vertragsschienen beteiligt ist und seine mehrfache IWA-XML-Darstellung.
Beispiel 4: Ein Verlag, der an mehreren Vertragsschienen beteiligt ist und seine mehrfache IWA-XML-Darstellung.

In der ALV-Sprache bedeutet das: die Anzahl der Verlagsanteile ("Vorkommen") eines Verlegers entspricht der Anzahl der UVZ (Urheber-Verleger-Zuordnungen) in denen er vorkommt.

 

Bisher galt die Regel, dass die Summe der Anteile pro Rolle 100% ergeben muss. Die Vertragsschienen weichen diese Regel, nur für Verlegeranteile allerdings, auf. Die Summe der Verleger-ROLE% müssen nun 100 pro Vertragsschiene ergeben.

 

Alles klar, was Vertragsschienen angeht? Falls nicht, schreibe uns gerne unten in den Kommentaren.

 

Was ändert sich für Musikverleger, die mit ALV arbeiten? Müssen die Vertragsschienen, d.h. die Mehrfacheintragungen von Verlegeranteilen bei den ALV Excel-Import-Tabellen für Werke mit angelegt werden?

Nein, das macht ALV für den Verleger. Er muss noch nicht einmal mehr Rollenanteile für die Verleger eintragen. ALV teilt das selbst beim Import der Werkedaten anhand der UVZ auf. Die GEMA wird nach der Anmeldung die Werke mit den Vertragsschienen in der Repertoire-Suche ausregistrieren und so kommen Sie über den Status Check in das GEMA-Anteile-Panel von ALV hinein.

 

Ebenso wie die Ableitungslogik, ist das Vertragsschienen-Denken eine gute Sache. Die Ableitungslogik vereinfacht die Mathematik der Berechnung von Verlagsanteilen drastisch. Die Vertragsschienen ermöglichen saubere Werkanmeldungen, insbesondere in manchen Co-Publishing-Fällen, die beispielsweise das aktuell übliche CWR-Format (v2.1) nicht darstellen kann.

 

Weitere Neuerungen im Rahmen der GEMA IWA-XML Werkanmeldung betreffen u.a. 

  • Die Validierung von IWA-XML Werkanmeldedaten 
  • Den Scope der Anteile, die ein Verlag melden soll (s.u.) 
  • Die Meldung von Besetzungen, wenn Bearbeiter-Anteile vorhanden sind 
  • Das Abfangen spezifischer IPI-Nummern, darunter folgende für Originalverlage, die eine Werkanmeldung verhindern werden

    00216156786 INCONNU EDITEUR
    00288936892 UNKNOWN PUBLISHER
    01087899877 <unbekannt>
    01060230028 UNKNOWN PUBLISHER
    01079194233 COPYRIGHT CONTROL
    00532838739 COPYRIGHT CONTROL SHARES
    00174226575 <unbekannt>
    00039657154 DOMAIN PUBLIC

Apropos Scope: zukünftig sollen Musikverleger nur autoritative, d.h. von ihnen vertretene (CTRL=Yes) Anteile melden. Dazu, was genau die GEMA unter einem autoritativen Anteil versteht bzw. welche nicht-autoritativen Anteile dennoch mitgemeldet werden sollen, besteht Diskussionsbedarf: 

  • Co-Publishing-Anteile? 
  • Unverlegte Autorenanteile? 
  • Von einem anderen Verlag verlegte Autorenanteile? 

Dies sind Beispiele nicht-autoritativer Anteile, die augenscheinlich dennoch im Rahmen einer GEMA-Werkanmeldung gemeldet werden sollen. Falls nun ein anderer Verlag seine Anteile und UVZ-Vertretungen von Autorenanteilen meldet, übernimmt die GEMA das Matching der beiden Anmeldungen desselben Werkes.


Update 04.04.2022: Ich habe den Begriff "autoritativ" zu eng gefasst, als "von-mir-vertreten" oder "mit dem habe ich eine Vertragsbeziehung". Vielmehr soll "autoritativ" soviel bedeuten wie: "ich weiß, wovon ich spreche, glaubt mir". Dies führte zu einiger Verwirrung, mea culpa, und schließlich zu der Frage an die GEMA:

 

"Dürfen Fremdverlagsanteile (auch wenn keine Co-Verlagsanteile) zukünftig nach wie vor mitgemeldet werden, wenn uns der fremde Verlag sicher bekannt ist oder er uns sogar ausdrücklich darum bittet, seine Anteile mitzumelden?"

 

Die Antwort der GEMA am 30.03.2022 lautete:

 

"Natürlich könnt ihr weiterhin über den Webservice [Red.: die ALV-Werkanmeldung]...andere Verlage mitmelden wenn diese bekannt sind. Da bei einer Werkanmeldung via Online-Service die Urheber-  / Verlagszuordnung [Red.: die UVZ] ein Pflichtfeld ist, werden mitgemeldete Verlage und deren Beziehung zu einem Urheber auch autoritativ behandelt. Im Format CWR besteht das Problem nicht, da in der aktuellen Version 2.1 eine Zuordnung zwischen nicht vertretenem Urheber und nicht vertretenem Verlag (z.B. Copyright Control) nicht möglich ist. Damit erfolgt für den Datensatz OPU aka Other Publisher ... keine Verarbeitung."

 

[Red. hierzu: Wir sind von der GEMA gebeten worden, Co-Publishing-Anteile, die eigentlich nicht vertreten werden (CTRL = NO) und als OPU other publisher im CWR ausgegeben gehören, stattdessen als SPU submitter-controlled publisher auszugeben, damit eine Verarbeitung bei der Werkanmeldung erfolgen kann. Wie das umgesetzt wird, ist Stand 05.04.2022 noch unklar, möglicherweise über einen Pro-Forma CVV in ALV Verlagsverträgen. Alternativ über eine neue Option im CWR-Export.]

 

Weiter zur Liste der gesperrten IPIs:

 

"Die nachfolgenden Angaben haben wir bewusst gesperrt, da diese Angaben nicht autoritativ sind und eine Verlagsangabe Copyright Control die einem Urheber zugeordnet ist dessen Anteile schmälern würde (der Verlagsanteil würde auf einem Copyright Control Konto geparkt werden). Die Bezeichnung 00039657154 DOMAIN PUBLIC ist weiterhin zulässig. Hier handelt es sich ja nicht um eine Verlagsangabe, sondern um eine Urheberbezeichnung, die notwendig ist wenn man z.B. bei einem Volkslied den Urheber nicht ermitteln kann." 

 


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Kommentare: 2
  • #1

    Sabine Meier (Mittwoch, 06 April 2022 10:58)

    Toll, absolut verständlich und nachvollziehbar, hat uns sehr geholfen!

  • #2

    Anni Walcher sMusics (Mittwoch, 06 April 2022 10:59)

    Der Artikel ist super! Das Thema ist sehr logisch und gut nachvollziehbar erklärt.

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